Dienstag, 10. März 2009

nicht ich

mir sind mein mund meine augen und meine ohren zugenäht worden
von klein auf
stich für stich
.

andere sagen mir wie ich zu sprechen habe
nicht ich
andere sagen mir wie ich mich anzuziehen habe
nicht ich
andere erklären mir wieviel 1+1 und warum der himmel blau ist
nicht ich
andere sagen mir was ich anziehen soll
nicht ich
andere sagen mir was rot blau was grün oder gelb ist
nicht ich
andere befehlen mir wie ich mich zu verhalten habe
nicht ich
andere definieren das wort liebe
nicht ich
andere schreiben mir vor was gut für mich ist
nicht ich
andere lehren mir zu glauben
nicht ich
andere sagen mir was ich tun muss
nicht ich
andere zeigen mir wie ich aussehen muss
nicht ich
andere formen mich zu einem menschen der ich sein soll
nicht ich
.

und am ende will ich schreien will sehen und will hören doch ich vergesse immer wieder dass die anderen mir meinen mund meine augen und meine ohren zugenäht haben
.

Montag, 9. März 2009

denn erst als ihr in mein leben getreten seid...


...lernten...

... meine träume zu fliegen
...meine gefühle zu singen
...meine sehnsucht zu schreien
...meine seele zu lachen
...meine muse zu küssen
...meine hand zu sprechen
...mein mund zu schreiben
...meine worte zu glauben
...meine zunge zu tanzen
denn erst als ihr in meinem leben getreten seid lernte ich zu leben

und jetzt sagt mir

das sollen freunde sein
die sie die ganze zeit über missverstehen
die ihr nicht zuhören wollen und sie mit ihren problemen alleine lassen
die sie zum weinen bringen und im stich lassen
die ihren alltag zu einem alptraum machen
die sie auslachen und sie in die knie zwingen
die die stillen hilferufe ihres einsamen herzens überhören
die es nicht für nötig halten ihr die hand zu reichen um ihr aufzuhelfen
die nach hause kommen und sie vergessen

und jetzt sagt mir:
das sollen freunde sein


Sonntag, 8. März 2009

leben


das leben ist bloß aus dünnem glas das jeden moment zerbrechen kann in 1000 kleine spitze scherben die einen blutig stechen können

das leben ist wie wasser das mir zwischen den fingern läuft ohne zuvor davon getrunken zu haben

das leben ist wie luft

kaum merklich und doch vorhanden

schwarz weiß

vergänglich

Sei Still

TABU

ein falsches wort

rote wangen

entsetzte gesichter

TABU

themenwechsel

verdrängung

probleme werden ignoriert


!! SCHWEIG !!

wo

wo sind all die jahre
all die jahre in denen ich soviel machen wollte

erhängt
mit engen schlingen
zu fest
schnell die zeit
giftige luft
weniger
todes leben

wo sind all die träume
all die träume die ich einmal hatte

erstochen
mit scharfen klingen
zu oft
kalt die enttäuschung
verwunderter glaube
zerschnitten
messer realität

wo ist all das lachen hin
all das lachen das uns glücklich macht

zerbombt
von vielen bomben
zu zersplittert
rote scherben
schiefer atem
erstarrt
eckiges gesicht

wo ist all die hoffnung
all die hoffnung die uns neuen mut gibt

vergiftet
vom lauten kummer
zu langsam
letztes licht
kranke seele
verdorben
schmerzvoller tod

wo ist all das schöne
all das schöne auf dieser welt

erschlagen
mit dem knüppel
zu groß
viel schreckliches
vergessene momente
zerquetscht
ohne ruhe

wo ist all das gute
all das gute im menschen

erstickt
mit staub
zu gewaltig
stumme massen
mit nichts
gefüllt
das dunkle ich.

wo ist all die freude
all die freude die uns immer wieder hilft

erschossen
von tränen
zu durchbohrt
gleich einem sieb
ohne werkzeug
kapput
schwarze worte

wo ist all der glaube
all der glaube der uns halt gibt

vertrieben
mit geldmengen
zu groß
nur gier und neid
ewig nur macht
versteift
fiebriges denken
.

"Oma ist heute Nacht gestorben..."(1919-2007)

Hand in Hand

Du hast meine Hand gehalten, als ich gehen lernte.
Du hast meine Hand gehalten, als ich anfing „Oma" zu sagen.
Du hast meine Hand gehalten, als ich in den Kindergarten ging.
Du hast meine Hand gehalten, als du mir von deinem Leben erzähltest.
Du hast meine Hand gehalten, als ich in die Schule ging.
Du hast meine Hand gehalten, wenn du mit mir lerntest.
Du hast meine Hand gehalten, wenn ich mir wehtat.
Du hast meine Hand gehalten, wenn wir lachten.
Du hast meine Hand gehalten, wenn ich Angst hatte.
Du hast meine Hand gehalten, wenn du mir eine Geschichte vorgelesen hast.
Du hast meine Hand gehalten, wenn du mir Witze erzählt hast.
Du hast meine Hand gehalten, wenn du mit mir gesungen hast.
Du hast meine Hand gehalten, wenn du mit mir in die Kirche gegangen bist.
Du hast meine Hand gehalten, wenn du mit mir gespielt hast.
Du hast meine Hand gehalten, wenn du mir vom Krieg erzählt hast.
Du hast meine Hand gehalten, wenn du mir neue Hoffnung gegeben hast.
Du hast meine Hand gehalten, wenn du mich getröstet hast.
Du hast meine Hand gehalten, wenn du mir zugehört hast.

Ich habe deine Hand gehalten, wenn wir spazieren gingen.
Ich habe deine Hand gehalten, als deine Schwester starb.
Ich habe deine Hand gehalten, als du einen Schlaganfall hattest.
Ich habe deine Hand gehalten, als du dir dein Bein gebrochen hast.
Ich habe deine Hand gehalten, wenn du geweint hast.
Ich habe deine Hand gehalten, als du im Krankenhaus warst.
Ich habe deine Hand gehalten, wenn du Angst hattest.
Ich habe deine Hand gehalten, als du wieder gehen gelernt hattest.
Ich habe deine Hand gehalten, als du wieder gestürzt bist.
Ich habe deine Hand gehalten, als du dich immer schwerer an Sachen erinnern konntest.
Ich habe deine Hand gehalten, als du kaum noch gehen konntest.
Ich habe deine Hand gehalten, als du mich nicht mehr erkannt hattest.
Ich habe deine Hand gehalten, als du ein Pflegefall geworden bist.
Ich habe deine Hand gehalten, als du deinen Namen nicht mehr kanntest.
Ich habe deine Hand gehalten, als wir dich zu Hause gerne pflegten all die Jahre.
Ich habe deine Hand gehalten, wenn du krank warst.
Ich habe deine Hand gehalten, als du kaum noch reden konntest.
Ich habe deine Hand gehalten, als du einmal schwer krank wurdest.
Ich habe deine Hand gehalten, als du nicht mehr gesund wurdest.
Ich habe deine Hand gehalten, als du tot warst.

Ich konnte deine Hand nicht mehr halten, als sie dich unter die dunkle Erde vergruben.
Ich kann deine Hand nicht mehr halten.

Eine Frau, dessen große Liebe in meinem Herzen weiterleben wird und meine Liebe zu ihr wird nie erlischen. Ich denk an dich.

Under Pressure

Wie soll ich mich in einer Gesellschaft wie dieser zurechtfinden. Mich „richtig" entwickeln können. Viele Menschen in meinem Alter haben Pläne, Ziele, Vorstellungen und auch schon viel mehr erreicht als ich. Ich fühle mich oft fehl am Platz. Ich habe keine Ahnung was ich mit meinem Leben anfangen soll. Große Pläne sind keine große Hilfe sondern eher großer Druck. Und es lastet ein gewisser Druck auf meinen Schultern. Nicht von meinen Eltern, sondern von mir selbst gegeben. Von der Gesellschaft und auch unbewusst von meinen Freunden mit ihren großen Vorhaben in ihrer Zukunft. Ja ihre gewisse Zukunft. Meine Zukunft ist ein verschwommener Teil vor mir. Ich bräuchte eine Brille um sie klar zu sehen. Doch diese Brille kann ich nicht einfach so in einem Fachgeschäft kaufen. Also wo gibt es solche Brillen? Brauch ich überhaupt eine? Heißt es nicht immer man soll im „Jetzt" leben. Das Jetzt ist ein sicherer Teil in meinem Leben. Vielleicht auch der einzig sichere. Mag sein ich mache mir unnötig Sorgen, so wie ich es immer mache aber tun das nicht alle? Vielleicht besteht diese Brille aus Erfahrung und aus Talent, das jeder hat. Ein Talent. Doch sie besteht sicher auch- da bin ich mir einfach sicher- aus Träume. Träume die jeder hat. Träume, die jeder braucht. Sind sie auch noch so vage und unsicher, doch sie sind die geheimsten Wünsche tief in unser aller Herzen. Diese Träume lassen uns hoffen. Sie geben uns Hoffnung. Hoffnung auf ein erfülltes Leben. Hoffnung hilft uns da weiterzumachen, wo wir schon längst aufgegeben haben. Hoffnung erleuchtet uns den Weg. Vielleicht nicht sehr weit aber Schritt für Schritt. Zentimeter um Zentimeter kommen wir Hand in Hand mit Hoffnung weiter. Ich will den ganzen Scheiß mit den Ultimaten vergessen. Maturieren mit 18. Fertig studiert mit 24. Viel Geld verdienen mit 26. Lebenspartner finden, Haus bauen und Kinder kriegen bis 30 spätestens 35. Klingt krank aber viele haben genau das vor. Das sollte ihr Leben sein. Ohne Ausnahme. Wo bleibt da die Spontanität, die Lust am Leben, und die Überraschungen des Lebens? Kein Platz. In meinem Leben haben große Pläne keinen Platz. Warum auch? Um später einmal, wenn es dann doch nicht funktioniert, enttäuscht zu werden. Ich werde doch nicht diesen sinnlosen Wettkampf mit der Zeit eingehen, wenn ich jetzt schon weiß, dass ich verliere. Vielmehr will ich mit der Zeit gehen. Letztendlich ist man ja doch machtlos. Das Schicksal hat etwas ganz anderes mit einem vor als man „plant". Wozu dann der ganze Scheiß. Druck macht man sich ja doch nur selbst. Wie ich mir. Anstatt viel Zeit damit zu verbringen die Brille zu suchen, bin ich lieber kurzsichtig aber zufrieden und vielmehr einverstanden mit dem Jetzt. Ich versuche dieses Jetzt so intensiv wie nur möglich zu leben. In all seinen Facetten. Trauer und Freude formen mich zu einem Menschen, der weiß was dieses Leben ist. Schritt für Schritt. Zentimeter um Zentimeter. Vielfältig und somit jede Sekunde wert es zu leben. Auch ohne Druck.